großartig sollte es werden, der gesammte tag war minutiös durchgeplant und aufs genaueste in klarsichtfolie verpackt. hunderte male hatte sie sich den tag schon durchgedacht und alles bedacht. jede farbe, jeder schatten, jede flamme sollte sich so zu einem ganzen fügen, wie sie es komponiert hatte. frei, gläsern, nüchtern, beschwippst. in allen situationen hatte sie es sich durchdacht. ein tag, der herranreifte wie ein guter wein. fast stündlich dachte sie daran, was noch zu tun war, wie sie noch dieses und jenes feld pflügen müsste, damit es passt. stündlich dachte sie nachts daran. am tage noch öfter. und das schon ewiglich. und dann kam er, frei wie ein sturm brach er über sie herrein. der tag. "hier bin ich!" schrie er. "benutz mich!" fauchte er erbost. "NUN NIMM MICH!" schien der boden zu beben. sie zitterte am ganzen körper vor aufregung. so eine anspannung. so ein kummer. "welch ross hab ich geritten?" wimmerte sie und wagte es kaum noch, zu atmen. der schreck schrie ihr aus jeder pore, aus allen knochen kroch der stinkende morast der feigheit. sie hatte sich ewig darauf vorbereitet. sie wollte kämpfen, der tag sollte ihr nicht verloren gehen wie damals, als ihre mutter starb. sie wußte noch ganz genau wie schlimm es war. nur zu gut hatte sich das ereigniss in ihren körper und in ihren kleinen, mehligen kopf gebohrt. und sie hatte schwer zu tragen an dem erbe. "sollte hundertfache überlegung nicht ausreichen, dann potentioniere ich", dachte sie in gedanken an ihre mutter und dachte tausende bilder auf den tag. alles dachte sie darauf; kleine freiheit, große schwäche. und er war wahrhaftig mächtig, frei, groß, vermögend und niederträchtig, das wusste sie. erschüttert musterte sie ihn und hielt gerade fünf minuten seiner mächtigen glut stand. noch weniger als ihre mutter es damals schaffte. "warum nur, scheint sein feuer unlöschbar zu sein mit meiner kraft und logik?" wunderte sie sich und glitt sich ein letztes mal bewusst durch ihre blutgetränkten haare bevor ihre schwarze flamme gänzlich dem tag gewichen. sie schaffte es nicht uns gleich zu machen. uns alles wunder dieser welt auf ein mal spüren zu lassen. sie nicht. doch wenn die tränen ihrer tochter vernarbt sind und sich unter dem tränenrinnsal schon hornhaut gebildet hat, dann wird ihre tochter es vieleicht sein, die diesen fluch, der auf uns liegt, durchbricht. wenn diese staubweiße schönheit den schmerz und verlust als das gedeutet hat, was er ist: zeit. wenn sie ihre bilder verarbeitet hat wird sie dieser unendlichkeit kampf voraussagen, so wie es seit generationen schon war. wie jeder gestorben an dem tag. an der zeit, die nur gemacht wurde, damit nicht alles auf ein mal passiert. damit schmerzen alles glück überlagern können und heranreifen bis sie einen niederstrecken an dem tag.
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