Die Vase gleitet mir durch meine rauen, vom vielen putzen abgenutzten Finger. Ein neues Gefühl für mich, denn diese Hände, die nur mir gehörten, hatten noch nie, nie in ihrem (bzw. meinem) Leben etwas fallen gelassen.
Schluchzen. Ein leises, klares Schluchzen hallt durch die Aula und verliert sich in den vielen Gängen dieses riesigen Hauses. Es dauert seine Zeit, bis ich merke, dass das schluchzen von mir kommt. Aus meinem Mund. Aus meinem Körper. Und tief aus meiner Seele.
Ich schließe die Augen. Es hindert mich jedoch nicht daran, plötzlich salziges Wasser in meinen Mundwinkeln spüren zu können, also lasse ich den Sturzbächen der verzweiflung freien Lauf. Was tun, wenn man weis, dass alles vorbei ist? Sich verstecken? Fort laufen, bis der Horizont nicht mehr der ist, der er einmal war? Gibt es eine Lösung?
In dieser Situation versuche ich, wie in so vielen anderen zuvor, mich jetzt von oben zu sehen. Oder besser gesagt, dieses kümmerliche, kleine Etwas im Universum.
Ich knie Schluchzend in der Aula der Villa Montez. Meinen Kopf in die Hände gelegt, die haselnuss braunen, lockigen, langen Haare als Zopfkranz um meinen Kopf geflochten, betrauere ich meine Vergangenheit, die Zukunft und, vor allem, die Gegenwart.
Was für ein trostloser Anblick, denke ich mir. Mein schönstes, veillchenblaues Sommerkleid wurde vom Dreck am Marmorboden in der Aula beschmutzt. Auch hier hatte ich meine Aufgabe wiedereinmal nicht erfüllen können, wie in so vielem in diesem, oder... meinem Leben.
Ich war mir selbst fremd geworden. Ich sehe noch genau das blau äugige, lollys und kaugummi liebende Kind in mir, wie es in Blumenfeldern mit meiner Freude um die Wette tanzt, meinen Kummer im Schach, auf der Veranda meiner Großmutter, besiegt und die Trauer in meinem Herzen aus Versehen tief über eine Klippe hinabstoßt. Das sind die Momente, die man selbst in meinem erbärmlichen Leben als... glücklich, ja, glücklich bezeichnen kann.
Als ich mich so von oben betrachte merke ich, wie verletzlich, sensibel und ungehörig ich einfach bin. Ich meine es ist mir nicht einmal erlaubt in meinem Herrenhaus zu schlafen, durfte ich dann auf dem feinen, italienischen Marmor herumsitzen und ihn mit Tränen aus vergangenen Tagen beklekern?! Bestimmt nicht. Nein, nein, GANZ bestimmt nicht.
Ich stehe seufzend auf und hole tief Luft. Ich spüre, wie die Luft meinen Körper blitzschnell durchquert und beim ausatmen wieder nach draußen befördert wird. Mit meiner Schürze wische ich meine Tränen fort, klopfe mein Kleid sorgfältig vom Schmutz frei und streiche es sanft glatt. Ich bücke mich nach den Scherben. Das würde Ärger geben, ich wusste es. Also beseitigte ich die Scherben meiner Vergangenheit und fing endlich an zu leben.
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