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Kategorie: Sonstige Texte
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Geschrieben am 02.09.2011 um 16:41 Uhr
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Gartenzwerg

Es war Finster. Die dunkelste Nach aller Zeiten vielleicht. Selbst der Mond hatte sich hinter dicke Regenwolken geschoben und nicht ein Funke seines Lichts drang auf die Erde. riesige, wenn nicht sogar gigantisch große, mindestens zehn Zentimeter im Durchmesser messende, Regentropfen knallten in wahnsinniger Geschwindigkeit auf den Boden, verwandelten die Erde in klebrigen Morast und meine Kleidung in triefende Fetzen. In diese feuchte Dunkelheit zuckten im Sekundentakt grelle Blitze direkt in meine Augen und knallender Donner brachte die Erde zum Beben.

Nur ein dutzend Schritte trennten meinen Wagen vom Eingangstor meiner Residenz. Ein dutzend Schritte in diesem Morast, die sich wie Meilen dehnten.

Aus dem Nachbarhaus gellten die verstörten Schreie der rolligen Nachbarskatze, wie das Geschrei von Babys an mein Ohr. Bedrohlich bogen sich die Wipfel der Bäume nach unten und knarrten dabei in schrecklichen Rufen ihr Trauerlied.

Noch fünf Schritte und ich hätte es geschafft. Das Treiben würde sich hinter meine Eingangstür verlieren und all der Schrecken hätte ein Ende.

Doch da! Auf der Schwelle zur Erlösung, auf der Willkommensmatte meines Hauses, stand er und glotzte mich aus leeren Augen an.

Wie war er nur dahin gekommen? Wie konnte er es geschaffte haben? Als ob er sich aus dem lehmigen Morast, aus dem strömenden Regen in Sicherheit gebracht hätte. Ein Gartenzwerg, mit Stab, auf den er sein Kinn stützte und einer roten Zipfelmütze die sich mir voll Hohn entgegenstreckte. Vielleicht die Nachbarskinder, die mir einen Streich spielen wollten, oder einfach nicht wollten das der Winzling im Regen ersäuft.

Mit einem verachtenden Tritt stieß ich den Störenfried in die Büsche neben der Eingangstür, steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Pforten zum trockenen Versteck.

Endlich in Sicherheit, endlich hell, endlich Ruhe. Zwar drang noch immer das klatschen der Sinnfluthaften Regentropfen, das knarren der Bäume und das grollen des Donners an mein Ohr, doch gedämpft und wenig bedrohlich. Das nun Licht den Raum erhellte, nahm mir den letzten Schrecken und sobald ich mir die Kleider vom Leibe gerissen hatte und die verdreckten Schuhe von den Füßen rutschten war auch das letzte Fünkchen vom Horror vor der Tür verblasst.

Wohlig warm war es hier und trocken und ruhig. Herrlich, paradiesisch fühlte es sich an, als ich Wollsocken und einen wärmenden Bademantel über meine geschundenen Glieder zog. Ein Seufzen entwich meinen Lippen als mein Hintern auf der riesigen Couch in meinem Wohnzimmer Platz nahm und mein Zeigefinger, wie einstudiert auf den Einschaltknopf der Fernbedienung tippte.

Nachrichten! Zwar uninteressant, da immer der selbe Brei, doch dennoch eine Ablenkung vom tristen Arbeitsalltag. Einfach nur Abschalten, einfach Ruhe und Frieden und vielleicht, wenn alles glatt läuft, ein kleiner Joint vor dem Abendessen. Ob alles gut läuft, war wiederum von mir abhängig, denn von selbst stellt sich so ein Appetitanregerjoint nicht her. Doch insgeheim hoffte ich das dies heute anders wäre. Heute, an jenem schicksalhaften Tag. An jenem Tag, an dem die Sinnflut wohl beginnen sollte und natürlich war ich nicht dazu gekommen eine Arche, für mich und meinen Grasvorrat, zu bauen.

Meine Gebete galten also den Wettergöttern, das es trotz der Güsse nicht zur Katastrophe kommen sollte und ich noch ein wenig mehr Zeit zur Herstellung jener Arche haben würde.

Dies Projekt startete ich mit der Erstellung des erhofften Joints, lehnte mich nach getaner Arbeit zurück und genoss den sanften Rauch, der meine Kehle hinunter kroch.

Eine Arche würde daraus wohl nicht entstehen, doch vielleicht der Einfall wie diese sich von Selbst erstellt. Man kann ja nie wissen. Schließlich soll es ja Heinzelmännchen geben, die bewerkstelligen, was man Selbst nur hinauszögert. Also beschwor ich die Heinzelmännchen, bevor ich mich in die Küche aufmachte um mein Abendessen herzurichten.

Käse, angeschimmelt. Wurst, etwas hart bereits, doch eventuell noch genießbar. Eine Tüte Milch die bedrohlich bauchig daherkam und ein Gläschen voll Jahrzehnte abgelaufener Oliven.

Angewidert schloss ich also die Tür meines Kühlschrank wieder und wählte mit der anderen Hand die Nummer des Pizzaservices.

Wenige Minuten danach, ertönte bereits die Glocke an meiner Eingangstür. Der Typ vom Lieferservice drückt mir die Rechnung in die Hand und kramt schon mal den Pizzakarton aus seiner Tasche. Ich strecke ihm einen Zehner entgegen, sage "den Rest kannst behalten!" und knalle die Tür zurück ins Schloss. Herrlich wie das duftet, traumhaft wie warm der Karton auf meiner Hand Platz genommen hat. Ich wende mich bereits wieder der Couch zu als ich ihn sehe.

Der verdammte Gartenzwerg steht in meinem Flur und gafft gierig auf meine Pizzaschachtel. "Verdammt, wie bist du Dreckskerl in mein Haus gekommen und nein, meine Pizza teil ich nicht" rufe ich erschrocken, bevor ich den Wicht zurück in den Garten werfe.

Was ist den hier los? Denk ich. Wie macht der Zwerg das nur? flüstere ich. Bevor ich schließlich kopfschüttelnd zurück zur Wohnzimmercouch schleiche.

Der Geruch der Diavolo war nur ein winziger Vorgeschmack auf den Genuss der nun meine Zunge umschmeichelte. Einfach fabelhaft wie die feurigen Chilischoten meinen Gaumen verbrennen und jegliche Geschmacksknospen auf meiner Zuge betäuben. Ich liebe scharfes Essen. Egal wie grässlich es eigentlich schmecken würde, die Chilis erlauben einem, einfach alles hinunterzuwürgen. Nur scharf, alles andere geht völlig unter. So muss es sein, so wollte ich es von Anfang an.

Pünktlich zum letzten Bissen beginnt meine Lieblingsserie. Entspannt lege ich die Füße auf den Couchtisch, lehne mich zurück und genieße die Stupidität stumpfer Sitcoms. Das Hirn völlig abschalten, keinen Gedanken den Geist fluten lassen, keinerlei Nervenregung im Thalamus, ein völlig gelungener Abend. Wie scharfes essen, ist es auch bei vielen Sitcoms. Durch das Gelächter, das von Zeit zu Zeit erschallt, wird einem Humor verkauft und man verliert nicht länger auch nur einen Gedanken darüber ob das gezeigte auch wirklich amüsiert. Man soll vom Lachen angesteckt werden und dadurch Freude empfinden. So denke ich wollen es zumindest die Produzenten. Doch all das liefert nicht meinen Grund, dem gezeigten zu folgen. Ich suche lediglich die Lahmlegung meines Verstandes um gebettet in weiche Daunen nicht von ihm wach gehalten zu werden.

Schon beim erklingen des Titelsongs beginnt sich mein Organismus auf Atmen und Schlucken zu beschränken und zum Abschluss des gezeigten bereitet mir bereits das schon so manche Schwierigkeit. Nicht selten bin ich zu Bett gegangen und musste mir erst schleimigen Sabber von der Wange wischen, was wohl beweist, das es mit dem Schlucken oft schon nicht mehr funktionierte.

Endlich im Bett will ich noch einen letzten Blick aus dem Fenster und den Untergang der Landmassen werfen, als er ein weiteres Mal mein Augenmerk auf sich zieht. Der vermaledeite Gartenzwerg steht vor dem Fenster und starrt auf meine entblößte Brust.

Dieser perverse Spanner, dieser verdammte Sexualstraftäter, gafft mich in meiner Nacktheit an, seinen Kopf auf den Stock stützend und die Zipfelmütze direkt auf meine Brustwarzen gerichtet.

"VERSCHWINDE! Gellt es aus meiner Kehle, "LASS MICH ENDLICH IN RUHE DU STÖRENFRIED!" kreische ich, rase zum Fenster, reiße es auf und knalle ihm meine Faust in die Visage. In hohem Bogen fliegt er davon, ab durch die Baumwipfel die vor meinem Fenster thronen und hinaus in den strömenden Regen. Als er aufprallt bleibt seine Zipfelmütze im Schlamm stecken, wodurch es wirkt als strecke er mir den Hintern entgegen. "Wieder ein Beweis seiner perversen Absichten" denke ich knalle das Fenster hinter mir zu und lege mich zu Bett.

All das stupide Sitcom geglotzte umsonst. All das Hirn abschalten vorbei. Tausende Gedanken rasen durch meinen Verstand. Die Logik hatte längst diese Gefilde verlassen, blanke Furcht vernebelte jeden Gedanken daran. Wie kann das nur sein, das dieser ekelhafte Krüppelzwerg immer und immer wieder an die seltsamsten Orte gelangt? Wie schafft der es nur, in den ersten Stock an das Fenster meines Schlafzimmers zu gelangen? Wie verdammt, kann leblose Materie sich bewegen und seinen perversen Fantasien nachgehen? Wie? Nur Wie?

Ich bekam die ganze Nacht kein Auge zu, immer wieder starrte ich in die dunkle Nacht, aus Angst der Zwerg könnte sich wieder in mein Blickfeld stehlen. Immer wieder sprang ich auf und warf meinen Blick in den überschwemmten Garten, um immer und immer wieder den gen Himmel ragenden Arsch dieses Arschs auszumachen. Er war noch dort! Gut! Ahh! dachte ich dann und dennoch, konnte ich nicht aufhören meine verängstigten Gedanken auf ihn zu lenken. Ein Gartenzwerg, mit roter Zipfelmütze, einem langen weißen Bart, einem grün karierten Flanellhemd, seinem verdammten Stock und seine kalten Blicke. Wie sie mich anstarren, wie sie mich begaffen, wie sie meine Nacktheit beäugen. Einfach furchtbar, schrecklich, ekelhaft!

Als schließlich die ersten Sonnenstrahlen durch mein Fenster schienen, hatte ich mich endlich einigermaßen beruhigt. Übermüdet und Ausgezehrt schleppte ich mich also aus meinem Bett. Ab ins Bad um der täglichen Körperhygiene nachzugehen. Duschen, Zähneputzen, Haare kämmen, und den Schlaf aus den Augen reiben. Beziehungsweise das Wachen. Schlaf hatte ich ja keinen bekommen. Das Schicksal meinte es wohl nicht gut mit mir, solche Angst in mein Leben zu senden. Mich solcher Furcht auszusetzen. Wenigstens die Wettergötter hatten meine Gebete erhört. Keine Sinnflut heute Nacht. Ein Lichtschein am Horizont.

Nun also Frühstücken, was soviel bedeutet wie, eine Kanne Kaffe auf ex hinunterzuleeren und auf zur Arbeit. Als ich die Eingangstür meines Hauses öffnete ergriff mich ein ungutes Gefühl. Wieder keimte sie kurz auf, diese Furcht. Die Angst, der Gartenzwerg würde mich erwarten und damit weitermachen, mich in den Wahnsinn zu treiben. Wenn nicht der Wahnsinn mich nicht schon lange gefunden hat. Schließlich sehe ich Gartenzwerge, wo sie niemals hingekommen wären.

Ich schlich mich also vorsichtig durch die Tür und blickte mich erst mal nach allen Richtungen um. Rechts? save! Links save! Vorne? save! Und schon stürmte ich zu meinem Auto. Kein Gartenzwerg. Weder im Garten der Nachbarn, wo er hingehört, noch kopfüber in meinem Garten. Kein Gartenzwerg vor der Tür oder auf der Veranda. Kein Gartenzwerg auf dem Fenster vor meinem Schlafzimmer. Keiner im Gebüsch, oder auf dem Baum. Keiner im Auto. Durchatmen! Puuh!

Ich stieg also in mein Auto und machte mich auf, dem tristen Arbeitsalltag entgegen. Den immer gleichen Abläufen, Pflichten und Verboten. Immer acht Stunden lang, fünf Tage die Woche, 47 Wochen im Jahr und das bis zur Pensionierung und dem Tod. Oft kam mir der Tod weit verlockender vor als die Pension, zu lange war es noch hin und was hat man dann auch noch vom Leben. Jugend vorbei, mit dem Sex schauts auch nicht mehr so rosig aus, vor allem wegen all der Falten und mit Fernsehen kann man auch nicht den ganzen Tag vertun. Wirklich erstrebenswert ist die Pension nicht für mich. Dann schon eher der Tod. Dann wäre all dies abgedroschene Einerlei, zumindest zu ende.

Tja. Und das waren meine letzten Gedanken. Wie aus heiterem Himmel krachte, auf dem Weg zur Arbeit ein Lkw, voll beladen mit Gartenzwergen gegen einen verdammten Geisterfahrer und ich werde unter einer Flut aus Gartenzwergen begraben. Mein Auto überschlägt sich und donnert gegen eine Wand. Glatt zu Mus zerquetscht hat es mich und nix da mit Ende und alles Gut. Ne! Jetzt sitze ich im Himmel oder was auch immer das hier darstellen soll und all meine Mitbewohner sind Gartenzwerge.

Verdammte Scheiße!

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